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  • 1. Juli 2019
  • Wettbewerbsbeitrag

Bildung in der digitalen Welt: Stefan Lesser – Das Leben im Griff der Medizinethik – von Anfang bis Ende

Fächerübergreifender Wettbewerb für Lehrer*innen, Schüler*innen und Studierende

von Stefan Lesser, Goetheschule Wetzlar Oberstufengymnasium


Projektzeitraum

Das Projekt wurde mit insgesamt drei Kursen der Qualifikationsphase 1 durchgeführt. Den Kursen stehen pro Woche drei Unterrichtsstunden à 45 Minuten zur Verfügung. Der Gesamtumfang des Projekt beanspruchte den Zeitraum September bis November 2018.Verlaufsplan

  • 1.Woche: Einstieg und Gruppenfindung
  • 2.Woche: Einführung in die Podcastarbeit+ Bewertungskriterien (Transparenz schaffen)
  • 3.Woche: Materialsichtung und eigene Themenschwerpunktsetzung
    Herbstferien 01.10. –14.10.2018
    Zusätzliche Recherchearbeit
  • 4.Woche: 1. Zwischenstandsgespräch
    Eigenständige Recherche
  • 5.Woche: Texterstellung
    Erste Probeaufnahmen
  • 6.Woche: 2. Zwischenstandsgespräch
    Sprachaufnahmen
    Letzte Textmodifizierungen
  • 7.Woche: Schneiden und Bearbeiten der Aufnahmen + Abänderungen
  • 8.Woche: Präsentation der Podcasts / Bewertung / Feedback
  • 9.Woche: Abschlussdiskussion

Theoretischer Rahmen

Das Thema der Projektarbeit lautet wie folgt: „Das Leben im Griff der Medizinethik –von Anfang bis Ende“ Das Themengebiet wurde in drei Gruppen aufgeteilt:

1) Lebensanfang

2) Lebensmitte

3) Lebensende

Das Thema Medizinethik ist ein verpflichtendes Themengebiet im Ethikunterricht der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe in Hessen. 

Ziel ist es das facettenreiche Themengebiet verständlich für die Mitschüler aufzubereiten. Eine Zerlegung in drei Großthemen/ -gruppen ist daher sehr sinnvoll, um das stets präsente Thema im und während des Lebens erfahrbar werden zu lassen. 

Um die aufbereiteten Inhalte stets verfügbar zu haben, wird durch medialen Einsatz von jeder Gruppe ein Podcast erstellt, der auf die schuleigene Lernplattform hochgeladen wird. So können die Schülerinnen und Schüler1 jederzeit auf die Ergebnisse zugreifen und sie zugleich auch für die folgende Abiturvorbereitung (da abiturrelevantes Thema) nutzen. Ebenso wichtig ist hierbei, dass die Produkte für die nachfolgenden Kurse nutzbar werden. 

Die Podcasterstellung ist so angelegt, dass der in diesem Schuljahr (2018/19) erstellte erste Podcast zum jeweiligen Teilthema in den nächsten Jahren durch die nachfolgenden Kurse stetig erweitert werden soll. Ziel ist hier eine permanente Erweiterung, einhergehend mit Aktualisierung, zu erreichen.  

Der momentane Kurs leistet hierbei Pionierarbeit und wird dabei so bewertet werden, dass die angefertigten Podcasts als Klausurersatzleistung bewertet werden. Dabei wird Wert auf folgende Aspekte gelegt: Struktur, Inhalt, Sprache, Gestaltung, technischer Umgang. Elementarer Bestandteil der Podcasts ist die damit verbundene Fragestellung: Welchen Einfluss übt Medizinethik auf unser Leben aus? Fachspezifisch liefert der Ethikunterricht, bei dem es um die Vermittlung von moralisch vertretbaren Entscheidungen in unserem Leben geht und wie diese den Alltag bestimmen, einen wichtigen Beitrag. Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeitsphase ist die medizinethische Diskussion von Beauchamp und Childress: Die normative Relevanz der überlegten Selbstgesetzgebung (Autonomie) spiegelt sich darin wieder, dass eine Person die höchst respektvolle Fähigkeit besitzt, über die sie betreffenden Angelegenheiten selbst zu entscheiden und danach zuhandeln. Ein zentraler ethischer Grundsatz der Medizin ist das Nicht-Schadens-Prinzip, das seit der Antike Schaden vom Patienten abwenden will.

Bei Wohltuensprinzip steht das positive Handeln im Vordergrund, um Schaden abzuwenden. Letztlich eine Gegenüberstellung von Nutzen, Kosten und Risiken. Und abschließend das Gerechtigkeitsprinzip, welches auf Fairness sowie verdiente Ansprüche abzielt. 

Diese Themenvielfalt wurde in den drei Gruppen durch Spezifizierungen näher untersucht. So gerieten die Fragestellungen in den Blickpunkt:

  • Ab welchem Zeitpunkt können wir von menschlichem Leben sprechen?
  • Ist Organtransplantation überhaupt moralisch vertretbar?
  • Was zeichnet den Tod aus und welche Rolle spielt dabei Sterbehilfe?

In der Gestaltung der Podcasts konnten bewusst sehr individuelle Schwerpunkte gesetzt werden, um der Interessenlage und Motivationsbasis der SuS nachzugehen. 

Neu war dabei für viele SuS die Erstellung eines Podcast. Der Umgang mit solche einem Medium bereitet allen Spaß, was sich dadurch äußerte, dass Inhalte nicht nur aus reinen Unterrichtsdiskussion entstanden. Zentrale Momente waren hierbei:

Teamfähigkeit, Absprachekompetenz, Textaufbereitung, Recherche (Internet, Bücher), Umfragen durchführen, Gespräche mit Externen führen, Produktion (Sprechproben, Medienumgang  [Smartphone, Audioprogramme]), kritisches Hören, Dateibearbeitung, Präsentation und schließlich die Beantwortung von Rückfragenzeichneten diese medienreiche Freiarbeitsform aus.  Ein elementarer Bestandteil der Digitalisierung im Fach Ethik zeigte sich bei diesem Projekt in der geeigneten Medienwahl, die eine stetige Erweiterung zulässt und die SuS zugleich im kritischen Umgang übt. 

Analyse-, Argumentations-und Urteilskompetenz stehen dafür Modell und zeigen so die Parallelität von Fach-und Medienkompetenzerwerbs auf. 

Dabei ist der Bereich Medizinethik aber nicht rein fachspezifisch auf Ethik zu beziehen. So soll ab dem nächsten Durchgang eine schrittweise Verknüpfung mit Biologie erfolgen, um Synergieeffekte nutzbar sowie für die SuS die Schnittpunkte greifbar werden zu lassen.

Arbeitsprogramm

Wie bereits im anfangs erwähnten Verlaufsplan angedeutet wurde, zeichnete sich die Projektarbeit durch vielfältige Arbeitsschritte aus:

1) Die allgemeinen Vorerfahrungen des Kurses wurden durch die Lehrkraft, in Form eines Brainstormings mit angekoppelter Plenumsdiskussion, evaluiert.

2) Thema, Vorhaben sowie die Podacastarbeit wurden vorgestellt. Die sich anschließende Gruppeneinteilung und die Ausgabe des Bewertungsrasters sorgten dann für die nötige Transparenz und lieferten einen Strukturrahmen für die SuS.

3) In einem Einführungstext wurde allen SuS das Thema Medizinethik nähergebracht und eine gemeinsame Ausgangsbasis für die Weiterarbeit geschaffen. Ebenso erhielten die Gruppen eine kleine Materialauswahl, die zum Einsatz kommen können, aber keiner weiteren Verpflichtung unterlagen

4) Es erfolgte eine Materialsichtung in den jeweiligen Gruppen sowie die Aufteilung der weiteren Arbeitsprozesse und Setzung eines zeitlichen Rahmens.

5) Die SuS betrieben eine vertiefende Recherchearbeit.

6) Die ersten Arbeitsergebnisse wurden im ersten Zwischenstandsgespräch mit dem Lehrer besprochen und das weitere Vorgehen abgeklärt sowie meinerseits Hilfestellungen aufgezeigt.

7) Nun wurden Texte für den Podcast erstellt sowie weitere Recherche betrieben.

8) Erste Sprechproben erfolgten und eine Auswahl von einem Jingle erfolgt.

9) Zweites Zwischenstandsgespräch

10) Aufnahmen des Podcast mit anschließender Bearbeitung durch das Programm Audacity. (Kostenfreies Programm und bereits aus Schul-PCs vorhanden)

11) Präsentation vor der Klasse -> Feedback und Bewertung

12) Abschlussdiskussion im Plenum zum Thema und dem methodischen Vorgehen

Im Folgenden sollen die anvisierten Ziele der Projektarbeit beleuchtet werden: 

Thematisch sollte sich durch die Gruppenarbeit dem Begriff „Medizinethik“ zugewandt sowie der Fokus auf die damit verbundenen moralischen Fragestellungen gelegt werden. 

Die Teilthemen Lebensanfang, -mitte und –ende wurden durch Beispiele wie: Gentechnik, Embryonen (Beginn des Lebens), Organtransplantation, Enhancement, Sterbehilfe, Tod u.a. gelungen aufgefangen und schufen so bei den Mitschülern Verständnis für das Thema und sensibilisierten sie zugleich mittels einfacher, prägnanter Erklärungen. 

Der zum Einsatz kommende Medienumgang wurde durch Erstellung von Podcasts insofern gewinnbringend genutzt, dass das Wissen für Hörer spannend und verständlich aufbereitet wurde und die SuS somit sich selbst im Umgang damit übten. Sie lernten dabei quasi nebenbei. 

Durch das Projekt konnten die SuS zudem mehrere Fachkompetenzen trainieren. Der mediale Zugang zur Thematik und die Durcharbeitung zeigten den SuS Zusammenhänge auf, die sie selbstständig und lösungsorientiert entwickelten und dabei auch das ethische Argumentieren weiter vertiefen konnten. Durch Interaktion und Mitteilungsmöglichkeiten wurden Diskussionsräume eröffnet, die eine eigene Lösung und Produkterstellung realisierbar werden ließen. 

Somit gelang es auch überfachliche Kompetenzen zu vertiefen. Genannt seien hier an erster Stelle die soziale Kompetenz, die auf das Verständigen, Kooperieren und das Verantwortung übernehmen abzielten. Ebenso die Sprachkompetenz, die sich mit der Informationsbeschaffung sowie diversen Kommunikationstechnologieeinsatz auszeichnete. 

Und letztlich noch eine Selbstregulation und das damit verbundene sich auf das Thema einlassen, das sich in der stets hohen Motivationshaltung der SuS wiederspiegelte. 

Alle aufgeführten Ziele wurden von den SuS in Angriff genommen und lieferten durchweg zufrieden stellende Produkte, die die gesetzten Ziele somit allesamt erfüllten. Jedoch bedarf es einer nun folgenden Vertiefung der einzelnen Gruppenleistungen durch die nachfolgenden Jahrgänge. 

Die Beteiligten erfüllten diverse Aufgaben, die jetzt umrissen werden sollen: Zum einen zeichnete sich meine Rolle als Lehrkraft dadurch aus, dass ich der Initiator des Projekts war(inklusive Vorarbeit –Materialsichtung, geeignete Aufnahmeprogramme) und die Erklärfunktion bei der Vorgehensweise übernahm. Während des Prozesses selbst fungierte ich als Lernbegleiter, der den SuS immer wieder für Rückfragen zur Verfügung stand und ihnen Tipps bei der Themenfokussierung sowie zeitlichen Rahmenvorgaben gab (vor allem bei den Zwischenstandsgesprächen). Die andere Funktion oblag mir in der Bewertung der Gruppenleistungen. Die SuS waren die Hauptakteure, indem sie als Podcastersteller agierten. Ihre Aufgaben bestanden in der Gruppenorganisation, Materialsichtung, vertiefender Rechercheleistung, Textproduktion, Sprechaufnahmen, Bearbeitung und schließlich der Präsentation der Podcasts. Insgesamt also ein hohes Aufgabenpensum.

Bedeutsam für diese Projektarbeit ist die Bewusstwerdung des methodischen Vorgehens, welches aufeinander aufbauend den SuS Struktur und Einstiegsmöglichkeiten in die umfangreiche Thematik liefern soll. 

Der Einstieg erfolgte über ein Brainstorming, um mögliches Vorwissen der SuS zu aktivieren und zu überblicken. Außerdem erfolgte so im ersten Schritt bereits eine Sensibilisierung für die Thematik. 

Über eine Textarbeitsphase wurde der Zugang weiter geebnet, in den der Prozess der Gruppenfindung führte. Die eigentliche Projektarbeit erfolgte dann innerhalb der Gruppen, durch die bereits beschriebenen Arbeitsschritte, die die Podcasterstellung zum Mittelunkt ihrer Erarbeitung werden ließ. Der Umgang mit Medien wurde über die gesamte Zeitspanne hinweg trainiert. Und am Ende erfolgte eine Ergebnispräsentation vor der Klasse mit Feedbackrunde, wodurch eine Würdigung der Gruppenleistung erzielt wurde. In der Abschlussdiskussion wurden einzelne positiv und negativ wahrgenommene Aspekte besprochen, um eine kontinuierliche Verbesserung dieser Arbeitsform zu realisieren.

Da das Thema Medizinethik einen so großen Themenbereich abdeckt wurden ja drei Untergruppierungen, im Sinne der didaktischen Reduktion, zur Auswahl gestellt. 

Der Medieneinsatz von Podcasts bot sich hiersehr gut an, da die SuS vor die Aufgabe gestellt wurden im Zuge von Selbstorganisation und thematischer Gewichtung einen Podcast zu erstellen, der für sie selbst sowie ihre Mitschüler gut zum Lernen dienlich ist und bei der Abiturvorbereitung genutzt werden kann. 

Das kompakt verfügbare Wissenspakt pro Podcast kann dabei sehr vielfältig weiter genutzt werden. Entscheidendes Momentum bei der Podcastarbeit war für mich als Lehrer wahrzunehmen, dass die SuS ein hohes Interesse aufzeigten ihre eigenen Produkte zu erstellen und diese anderen zu präsentieren (ein ähnliches Verhalten zeigt sich auch bei Youtube-Clips). Demzufolge ist ein solcher Umgang mit den Medien in unserer heutigen Zeit der zunehmenden Digitalisierung verstärkt zu beleuchten, auch kritisch. 

In diesem Zusammenhang berichteten mir die SuS auch, dass sie selbst häufiger Erklärvideos zur Klausurvorbereitung nutzen. Nun wurden sie darin geschult selbst Lernmedien mittels einfachen Technikeinsatzes selbst zu erstellen und für andere nutzbar zu machen. Außerdem wurde kontinuierlich der Teamprozess und die Entwicklung hin zu einer stärken Gruppengemeinschaft vorangetrieben, was besonders förderlich für einen zusammengesetzten Ethikkurs ist, bei dem sich die SuS sonst nur wenig kennen und nur schwer kennenlernen. 

Die Umsetzung eines solches Projekts erfolgte bei uns an der Schule sehr leicht, da wir bereits auf das kostenlose Aufnahme-und Bearbeitungsprogramm zugreifen konnten, was aber auch für jede andere Schule leicht zu realisieren ist. 

Das Einfinden in dieses Programm sollte durch eine erste gemeinsame Einführung erfolgen, um sich der einzelnen Funktionen bewusst zu werden. Nötig sind demzufolge nur ein Bearbeitungsprogramm, ein Smartphone pro Gruppe sowie ein erster gemeinsamer thematischer Einstieg, der dann durch eigenständige Recherchearbeit vertieft wird. 

Wichtig ist hierbei, dass die Materialgrundlage ganz unterschiedlich geartet sein kann, je nachdem, wie es die Lehrkraft thematisch vorstrukturieren möchte. 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die anfangs gesetzten Ziele des Projekts zum allergrößten Teil realisiert werden konnten, wie es die beigefügten Podcasts zeigen. Eine Schwierigkeit stellte für die SuS die genaue Tonqualität dar, die in den nächsten Folgen noch genauer thematisiert werden müsste. Ebenso stellten die SuS und ich fest, dass es besser wäre nicht viele einzelne kleine Aufnahmen mit dem Programm nacheinander einzufügen und zu bearbeiten, sondern die Gesamtaufnahme an einem Stück aufzunehmen, um die anschließende Bearbeitung deutlich zu vereinfachen. 

Somit dienen diese Ergebnisse für nachfolgende Kurse als Ausgangsbasis für die Weiterarbeit am Gesamtprojekt, das sich zum Ziel setzen wird weitere Podcastfolgen zu produzieren sowie eine Verknüpfung zu anderen Unterrichtsfächern zu ermöglichen.

Finanzierung

Das Projekt benötigt keine finanziellen Mittel, bis auf die normalen Kopierkosten einer Ausgangsliteraturbasis, die die Lehrkraft für die Gruppen bereitstellt. Die restlichen medialen Ausstattungen wie:

-PCs sind in der Schule vorhanden-Smartphones besitzen die SuS selbst und ein -Aufnahmeprogramm ist kostenlos verfügbar. Daraus kann am Ende des Projekts das positive Fazit gezogen werden, dass sich die Erstellung von Podcasts als Digitalisierungsweg im Fachunterricht Ethik sehr gut einbinden lässt (und dies exemplarisch am Thema Medizinethik)

1   Im Folgenden werden „Schülerinnen und Schüler“ mit der Bezeichnung „SuS“ abgekürzt.

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